Ihr E-Bike, das von selbst bis 32 km/h durchzieht? Das könnte durchaus Realität werden. Die deutsche Fahrradlobby will strengere, aber auch interessantere Regeln für Elektrofahrräder in Europa. Für viele E-Biker ist es eine bekannte Geschichte: Man tritt kräftig in die Pedale und genau in dem Moment, in dem man 25 km/h erreicht, fällt der Motor weg. Als würde man plötzlich gegen eine unsichtbare Wand fahren. Kein Wunder, dass Tuning so beliebt ist – aber das ist natürlich nicht erlaubt.
Von 250 auf 750 Watt: dies wird vorgeschlagen
Der größte deutsche Branchenverband ZIV (Zweirad-Industrie-Verband) verhandelt bereits über „notwendige Anpassungen“ der aktuellen EU-Regeln. Und das ist kein kleiner Akteur – Deutschland ist der Trendsetter in Europa, was E-Bikes betrifft. Sie verkaufen rund zwei Millionen E-Bikes pro Jahr und haben Unternehmen wie Bosch im eigenen Land. Wenn sie etwas wollen, hört Brüssel zu.
Der auffälligste Vorschlag? Von 250 Watt Dauerleistung zur Spitzenleistung von 750 Watt am Antriebsrad. Das klingt heftig, aber eigentlich wird damit vor allem fair gemacht, was bereits geschieht. Viele E-Bikes liefern jetzt schon eine höhere Spitzenleistung als die nominalen 250W, die auf ihrem Motor stehen. Bosch-Motoren können mittlerweile bereits Spitzenleistungen bis zu 600 Watt liefern.
Die Vorschläge des ZIV gehen über mehr Leistung hinaus. Sie wollen ein Unterstützungsverhältnis von maximal 1:4, was bedeutet, dass der Motor maximal 4-mal so viel Kraft liefern darf wie der Fahrer. Bis 15 km/h darf dieses Verhältnis sogar auf 1:6 ansteigen.
Für Lastenräder denken sie auch an höhere Gewichtsgrenzen: 250 Kilo für Zweiräder und 300 Kilo für Modelle mit mehr als zwei Rädern. Denn seien wir ehrlich – manche Cargo-Bikes sehen heutzutage eher wie Kleintransporter aus als wie Fahrräder.
Das Seltsame ist, dass diese Regeln eigentlich dazu gedacht sind, Klarheit zu schaffen. Der ZIV will vor allem, dass Elektrofahrräder auch wirklich Fahrräder bleiben – „Fahrzeuge der aktiven Mobilität“, bei denen man selbst treten muss. Kein Gasgriff also, denn dann wird man plötzlich zum Moped.
Die aktuellen EU-Regeln stammen aus dem Jahr 2017, wurden aber bereits Jahre zuvor gestaltet. Seitdem ist im Bereich E-Bikes sehr viel passiert, sodass das heutige Angebot nicht mehr mit dem damaligen Angebot vergleichbar ist. Die Technologie ist enorm fortgeschritten, aber die Regeln hinken hinterher. In Amerika fahren sie längst mit leistungsstärkeren E-Bikes. Dort sieht man Leistungsgrenzen zwischen tausend und dreizehnhundert Watt, während wir noch an den 250 Watt von vor Jahren festhalten.
Kommt das wirklich? Und was würde es bedeuten?
Nun ja, es ist noch früh. Es liegen noch keine konkreten Gesetzesvorschläge vor und ein solches europäisches Gesetz dauert sowieso Jahre, bis es durch ist. Aber die Signale sind vielversprechend.
Der ZIV hat auch eine starke Stimme in Europa und ihre Vision wird von CONEBI übernommen, die die Fahrradindustrie auf europäischer Ebene vertritt. Wenn die deutsche Fahrradlobby und der europäische Dachverband dasselbe wollen, passiert in der Regel etwas.
Auch interessant: Das Vereinigte Königreich hat bereits erwogen, die zulässige E-Bike-Leistung zu verdoppeln, von 250 auf 500 Watt. Dieser Plan wurde jedoch letztendlich zurückgezogen. Aber es zeigt, dass überall darüber nachgedacht wird.
Wenn diese Regeln kämen, würden Sie wahrscheinlich ein viel natürlicheres Fahrgefühl bekommen. Kein abrupter Cut-off mehr bei 25 km/h, sondern ein allmählicherer Übergang. Und diese Spitzenleistung von 750 Watt? Die würden Sie vor allem beim Anfahren und Bergauffahren merken – genau dann, wenn Sie es brauchen.
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Aber es gibt auch Haken und Ösen
Denn das ist die Sache mit der Regulierung – sie muss irgendwo eine Grenze ziehen. Der ZIV will gerade, dass E-Bikes ein natürliches Fahrgefühl behalten und dass man aktiv mittreten muss. Zu starke Motoren können instabiles Fahrverhalten verursachen.
Natürlich ist das Erste, woran man denkt: Sicherheit. Es gibt bestimmte Gruppen, die doch etwas mehr Mühe haben, das E-Bike unter Kontrolle zu halten. Ob diese von 32 km/h profitieren würden, bezweifle ich. Vielleicht könnte hier auch eine Helmpflicht dazugehören, in den Niederlanden muss man schließlich auf einem Roller/Mofa (25 km/h) heutzutage auch einen Helm tragen.
Für Fahrradhersteller wird es auch komplizierter. Anstatt einfach einen Motor einzukaufen und einzubauen, müssen sie künftig auch die tatsächliche Leistung am Hinterrad auf einem Prüfstand messen. Mehr Arbeit, mehr Kosten.
In der Zwischenzeit tunen viele Leute einfach ihr E-Bike. Das ist nicht erlaubt, die Versicherung verfällt und technisch gesehen fährt man dann illegal herum. Aber die Kontrolle? Die gibt es kaum. Mit neuen Regeln, die näher an der Realität liegen, wird Tuning vielleicht weniger interessant. Warum sein E-Bike illegal 35 km/h fahren lassen, wenn es legal 32 km/h darf?
Wir können noch nicht mit Sicherheit sagen, ob die E-Bike-Regeln in Europa überarbeitet werden. Aber da sich wichtige Parteien aus der Elektrofahrradindustrie mit viel Einfluss dafür aussprechen, ist die Chance auf neue Regeln für den europäischen Markt durchaus vorhanden.
Erwarten Sie keine Wunder auf kurze Sicht. Die europäische Gesetzgebung ist langsam, besonders bei etwas so Technischem wie diesem. Aber die Räder sind in Bewegung gesetzt worden.
Via: Bright









