Das Engwe L20 ist ein Tiefeinsteiger-Fatbike, das auf Komfort und täglichen Gebrauch ausgerichtet ist. Mit einem niedrigen Einstieg, breiten Reifen und sowohl einem Vorderkorb als auch einem Heckträger möchte dieses Modell der praktische Allrounder für Menschen sein, die ein erschwingliches Fatbike suchen. Aber was bekommt man genau für diesen Preis, und wo liegen die Einschränkungen? Ich bin der Sache nachgegangen.
Über das Engwe L20
Engwe ist eine chinesische Marke, die direkt an Verbraucher verkauft, ohne Zwischenhändler von Fahrradgeschäften. In den Niederlanden und Belgien ist das L20 mittlerweile eines der beliebtesten Fatbikes im Budget-Segment. Man findet es bei Dutzenden von Wiederverkäufern, von spezialisierten Fatbike-Webshops bis zu lokalen Zweiradgeschäften.
Das L20 ist das Einstiegsmodell in Engwes L20-Reihe, die mittlerweile erheblich erweitert wurde. Über dem Basis-L20 findet man das L20 Boost (Drehmomentsensor, 75Nm, Boost-Taste), das L20 3.0 Boost (Vollfederung, Schnellladegerät) und das L20 3.0 Pro (Mittelmotor, 100Nm, Samsung-Akku). Das Basis-L20 zeichnet sich durch den niedrigsten Preis und die einfachste Wartung aus.
7 Dinge, die du über das Engwe L20 wissen musst
Ich habe die Spezifikationen neben vergleichbare Modelle gelegt und geschaut, wo das L20 herausragt und wo es zu kurz kommt.
1. Tiefeinsteiger-Rahmen mit niedrigem Einstieg
Der Aluminiumrahmen hat einen niedrigen Durchstiegsbereich, sodass man leicht auf- und absteigen kann. Das klingt nach einem Detail, aber es macht einen großen Unterschied, wenn man Gepäck mitnimmt, Knieprobleme hat oder einfach nicht sportlich auf ein Fahrrad klettern möchte. Die Einstiegshöhe ist niedrig genug für Fahrer ab 155 cm, während der verstellbare Lenker und die Sattelstütze das Fahrrad auch für Menschen bis 185 cm geeignet machen.
Wichtig zu wissen: Das L20 ist nicht faltbar. Im Gegensatz zur EP-2-Serie oder den neueren L20 3.0-Modellen kann man den Rahmen nicht einklappen. Das macht es weniger geeignet, wenn man das Fahrrad regelmäßig in einem Auto transportieren oder kompakt aufbewahren möchte.
2. 50Nm Motor mit Trittfrequenzsensor
Der 250W-Hinterradnabenmotor liefert 50Nm Drehmoment. Das ist ausreichend für flaches Gelände und leichte Steigungen, aber nicht überwältigend. Zum Vergleich: Das L20 Boost liefert 75Nm und das L20 3.0 Pro sogar 100Nm. Bei Hügeln mit mehr als 10% Steigung merkt man, dass das L20 es schwerer hat.
Der Motor wird über einen Trittfrequenzsensor gesteuert. Das ist ein einfacheres System als der Drehmomentsensor, den man in den Boost-Modellen findet. Ein Trittfrequenzsensor erkennt, ob man tritt, aber nicht wie fest. Das Ergebnis: Der Motor gibt eine feste Menge an Unterstützung, sobald man zu treten beginnt, unabhängig von der eigenen Anstrengung. Das fühlt sich weniger natürlich an als ein Drehmomentsensor und macht es schwieriger, die Unterstützung subtil zu dosieren. Im ruhigen Stadtverkehr ist es prima, aber in hektischen Situationen oder beim langsamen Manövrieren ist der Unterschied spürbar.
3. Großer Akku, aber realistische Reichweite ist geringer
Mit 48V und 13Ah kommt man auf 624Wh Akkukapazität. Engwe behauptet eine Reichweite von bis zu 140 km, aber das wurde auf der niedrigsten Unterstützungsstufe mit einem leichten Fahrer auf flachem Gelände gemessen. In der Praxis muss man davon erheblich abziehen.
Ein französischer Verleiher, der mehrere L20 täglich einsetzt, meldet eine Reichweite von etwa 100 km mit einem Fahrer von 50 kg auf niedriger Unterstützung. Ein niederländischer Wiederverkäufer geht von 60-80 km bei normalem Gebrauch aus. Mit einem Fahrer von 80+ kg, mittlerer Unterstützung und etwas Wind oder Hügeln sind 60-80 km eine realistischere Erwartung. Immer noch mehr als ausreichend für tägliches Pendeln zur Arbeit, aber die 140 km auf der Verpackung muss man mit einer gehörigen Portion Salz nehmen.
Der Akku sitzt am Rahmen und ist herausnehmbar. Praktisch, wenn man das Fahrrad draußen abstellt und den Akku drinnen laden möchte. Weniger praktisch: Die Ladezeit von etwa 6,5 Stunden mit dem Standardladegerät. Das ist lang im Vergleich zu den 3,5 Stunden des EP-2 3.0 Boost oder den 2 Stunden des L20 3.0 Pro. Vor dem Schlafengehen anschließen und morgens ist er voll, das ist der realistischste Ansatz.
4. Fat Tires mit Federgabel
Die 20 x 4.0 Zoll Fat Tires sind das auffälligste Merkmal des L20. Die breiten Reifen bieten mehr Grip und Dämpfung als Standardfahrradreifen, was auf Kopfsteinpflaster, Radwegen mit Baumwurzeln oder leicht unbefestigtem Gelände angenehm ist. Auf Sand oder Gras halten sie besser die Spur als schmale Reifen.
Die Vordergabel hat eine Federung, die Stöße bei Unebenheiten abfängt. Eine Hinterradfederung fehlt, daher spürt man auf wirklich holprigem Gelände die Schläge über den Sattel. Für Stadtgebrauch und befestigte Radwege ist die Kombination aus Fat Tires und Vordergabel komfortabel genug. Für ernsthaften Offroad-Einsatz sind die teureren 3.0-Modelle mit Vollfederung die bessere Wahl.
5. Mechanische Bremsen: ein Aufmerksamkeitspunkt
Das L20 hat mechanische Scheibenbremsen mit 160mm Scheiben vorne und hinten. Bei einem Fahrrad von 34 kg, das 25 km/h fährt, ist das das Minimum. Mechanische Bremsen erfordern mehr Handkraft als hydraulische, und bei Regen oder Schlamm nimmt die Wirksamkeit ab.
Mehrere Nutzer bezeichnen die Bremsen als den schwächsten Punkt des L20. Ein britischer Besitzer schrieb, dass er die Bremskraft für ein Fahrrad dieses Gewichts nicht überzeugend findet und empfiehlt, die Bremsen aufzurüsten, wenn man regelmäßig bei höheren Geschwindigkeiten fährt. Für ruhigen Stadtverkehr mit 10-15 km/h sind sie ausreichend, aber bei Vollgas mit 25 km/h merkt man den Unterschied zu hydraulischen Bremsen. Das L20 Boost und alle 3.0-Modelle haben hydraulische Bremsen, was einer der wichtigsten Gründe ist, diese in Betracht zu ziehen.
6. Praktisch ausgestattet mit Vorder- und Heckträger
Das L20 wird standardmäßig mit einem Vorderkorb (Tragfähigkeit 10 kg) und einem Heckträger (25 kg) geliefert. Das macht es direkt nutzbar für Einkäufe, Pendeln zur Arbeit oder einen Tagesausflug. Man muss kein separates Zubehör dazukaufen, alles ist bereits montiert.
Die Beleuchtung ist integriert und wird vom Hauptakku gespeist. Keine separaten Lämpchen, die man ständig aufladen muss. Das LCD-Display zeigt Geschwindigkeit, Akkustatus und Unterstützungsstufe. Es ist ein einfaches Monochrom-Display, kein Farbbildschirm wie bei den Boost-Modellen. Ausreichend für die Grundfunktionen, aber keine App-Konnektivität oder Fahrstatistiken.
7. Gewicht von 34 kg ist beträchtlich
Mit 34 kg ist das L20 ein schweres Fahrrad. Das merkt man nicht, solange der Motor einen unterstützt, aber sobald der Akku leer ist oder man das Fahrrad heben muss, spürt man jedes Kilo. Eine Treppe hochtragen, in ein Auto laden oder über einen Zaun heben? Rechnen Sie mit zwei Personen.
Die maximale Tragfähigkeit beträgt 120 kg (einschließlich des Fahrers). Das ist weniger als die 150 kg des EP-2 3.0 Boost. Für die meisten Fahrer sind 120 kg mehr als ausreichend, aber wenn man selbst schon Richtung 100 kg wiegt und regelmäßig Einkäufe mitnimmt, ist man schnell am Maximum.
Abschließend zum Engwe L20
Das Engwe L20 ist der erschwingliche Einstieg ins Fatbike-Segment. Für rund 1.099 € bekommt man ein Tiefeinsteiger-Fatbike mit großem Akku und integrierter Beleuchtung. Der niedrige Einstieg macht es für ein breites Publikum zugänglich.
Die Einschränkungen liegen im Detail: Der Trittfrequenzsensor gibt weniger natürliche Unterstützung als ein Drehmomentsensor, die mechanischen Bremsen sind das Minimum für ein Fahrrad dieses Gewichts und die Ladezeit von 6,5 Stunden ist lang. Wenn man bereit ist, etwas mehr zu bezahlen, löst das L20 Boost die ersten beiden Punkte mit einem Drehmomentsensor und 75Nm Boost-Taste. Möchte man auch Federung, Schnellladen und hydraulische Bremsen, dann ist das L20 3.0 Boost oder L20 3.0 Pro eine Überlegung wert.






